Die verrohte Sprache

Sprache als Gradmesser des Zustands der Gesellschaft


Während vieles von dem, was als geschlechterinklusive Sprache bezeichnet wird mehr und mehr Menschen absurd, überzogen, bizarr vorkommt, so gibt es sehr wohl einige Annahmen in diesen aktivistischen Bewegungen, die richtig sind. Denn natürlich kann Sprache Bewusstsein schaffen, natürlich bildet Sprache Ungerechtigkeiten ab. Und ganz eindeutig kann man Hass und Aggression anhand der Sprache feststellen. Für die Soziologie ist nun die Sprache tendenziell eher ein Medium, das bestimmte soziale Zu- und Umstände beschreibt und abbildet, wohingegen Sprache in der Philosophie und Linguistik zentral für die Art und Weise ist, wie wir die Welt überhaupt ordnen, interpretieren und damit genau genommen erst erzeugen. Zusammengefasst kann man also sagen: Sprache schafft Wirklichkeit.

Ob man nun eher die eine oder die andere Interpretation dessen, was Sprache ist und kann vorzieht, so kann man jedenfalls feststellen: Mittels sprachlicher Konzepte, mittels Metaphern und sprachlicher Vergleiche lassen sich Dinge der Außenwelt strukturieren und die Komplexität der Welt reduzieren. Man kann mit Sprache auch Handlungen vollziehen (z.B. jemanden verurteilen, Menschen verheiraten, jemanden taufen) und aus Sprache können Handlungen entstehen (denken wir an angekündigte Straftaten u. dgl.)….

Dieser Artikel erschien in der Septemberausgabe 2022 des Stichpunkt Magazins.

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Jan David Zimmermann ist Schriftsteller, Journalist und Wissenschaftsforscher. Seine Essays und Beiträge erscheinen unter anderem in der Berliner Zeitung, Cicero, oder dem Stichpunkt Magazin.

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